Alles über edle Uhren
Geschichte der Zeitmessung
Dass die Zahl von 360 Tagen eines Jahres nicht genau war, ebenso wenig, wie ein Monat 30 Tage hat, muss schon recht früh klar geworden sein. Möglicherweise hat irgendein Astrologe der Frühzeit mit einem Schattenstab den Punkt am Himmel, an dem die Sonne aufging gemessen und dann festgestellt, dass sich dieser Punkt im Zeitablauf bis zu einem Grenzpunkt im Norden und dann zu einem anderen südwärts bewegte und wieder zurück. Schließlich hat er dann festgestellt, dass ein voller Kreislauf 365 Tage dauerte.
Der große Stein bei Newgrange, in der Nähe von Dublin wurde bereits von den Menschen der Jungsteinzeit, etwa 3000 v. Chr. errichtet. Dieser stellt ein Merkzeichen dar, welche die Priester, sie waren es nämlich, die sich in der Frühzeit hauptsächlich mit der Zeitrechnung beschäftigten, errichteten. Die Sonnenwenden, waren wichtige Ereignisse, die man nun beobachten konnte und entsprechend zelebrieren konnte.
Angeführt sei auch das große prähistorische Monument in Stonehenge. Dieses wurde vermutlich zwischen 1900 und 1600 v. Chr. errichtet. Es stellt nicht einfach gewaltige Ringe aus Steinarkaden dar, denn wenn man vom Altarstein im Zentrum des Winkels durch den mittleren der noch stehenden Trilithen blickt, kann man am längsten Tag des Jahres die Sonne über der Spitze des entfernt stehenden heel stone (Fersenstein) aufgehen sehen.
Es liegt nahe, dass die ersten Zeitmessungen mithilfe der Sonne und des Schattens erfolgten.
Bereits der griechische Geschichtsschreiber Herodot (oben 430 v. Chr.) ging davon aus, dass die Erfindung der Sonnenuhr den Babyloniern zuzuschreiben sei. Unglücklicherweise gibt es aber keinen festen Ort, dem die Erfindung der Sonnenuhr als ein Schöpfungsakt zuzurechnen ist.
Die meisten Kenntnisse haben wir jedoch von den Sonnenuhren der Ägypter.
Â
Die Nadel der Kleopatra, steht in London an der Themse. Sie ist eine der beiden Kalendersäulen, um 1500 v. Chr. vor einem Tempel in Heliospolis standen. Dieses war im Zentrum der Sonnenverehrung und der Gelehrsamkeit am Nil Delta. Der zweite Obelisk steht heute im Central Park in New York.
Â
Ein weiterer großer Obelisk, die aus dem heutigen Luxor stammt, steht in Paris. Offenbar waren solche Obelisken bereits in einer Zeit sehr beliebt, bevor die Zeitmessung dieser alten Völker erforscht wurde. Denn eine Reihe römischer Plätze sind auch heute noch mit Obelisken geschmückt. Lange bevor die modernen Ägypten Theologen die alten Städte erforschten und ihre Beute einbrachten, hatten schon die römischen Kaiser sich etwa 20 ägyptischer Zeitmesser-Obelisken bemächtigt um damit römische Plätze zu schmücken.
Damit ein Obelisk die Zeit anzeigen kann, benötigt man eine Skala, auf der die Zeit als Schattenwurf abgelesen werden konnte. Da die Ägypter den vollen Tag um Mitternacht begangen vielen, je nach Jahreszeit, die Morgen- und Abenddämmerung auf unterschiedliche Zeiten. Dabei waren die Ägypter ihrer Zeit weit voraus, denn sie betrachteten den Tag und die Nacht als ein Teil desselben Phänomens. Andere Völker unterschieden zwischen Tag und Nacht. Dies hatte zur Folge, dass diese einzelnen Einheiten je nach Jahreszeit unterschiedlich lang waren.
Außerdem musste ein Zeitpunkt bestimmt werden (und ein Maßstab hierfür gefunden werden), an dem die Nacht endete und der Tag begann. Um die Dämmerung zu bestimmen, verwendeten z.B. die Mohammedaner Stränge gemischter schwarzer und weißer Fäden. Zu dem Zeitpunkt, zu dem man die Farben voneinander unterscheiden konnte, begann der Tag. Dies verkomplizierte die Sache aufgrund der jahreszeitbedingten Schwankungen der Längen natürlich erheblich.
Des Weiteren machten die Ägypter die Beobachtung, dass der Schatten eines Obelisken, wenn er am kürzesten war, immer in die gleiche Richtung fiel, ganz gleich zu welcher Jahreszeit. Diese Linie, die der Schatten des Obelisken zu diesem Zeitpunkt beschreibt, nennen wir heute einen Meridian, also die Verbindungslinie zwischen Norden und Süden. Im alten Ägypten, war dies die sechste Stunde des Tages.
Die ägyptischen Baumeister nutzten dieses Phänomen, um ihre Bauwerke genau nach Norden oder Süden auszurichten. Auch christliche Kirchen wurden auf die gleiche Weise in Ost- West-Richtung ausgerichtet.
Um den 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres, an dem die Sonne am tiefsten steht, ergibt sich der längste Mittagschatten. Demzufolge entsteht der kürzeste Schatten um den 21. Juni, dies ist die Sommersonnenwende.
Des Weiteren erkannte man, dass um den 21. März rund um den 21. September die Sonne genau im Osten auf- und genau im Westen untergeht. Wenn nun der 21. Juni der längste Tag, der 21. Dezember der kürzeste Tag ist und der Sonnenstand zwischen den beiden Wendepunkten hin und her wandert, so ergibt sich, dass an den Daten 21. März und 21. September der Tag genauso lang ist wie die Nacht. Diese Tage werden daher auch Äquinoktien genannt.
Auch dieses Phänomen war in der Frühzeit der Zeitmessung offensichtlich sehr wichtig. Die Anordnung vieler prähistorischer Steinmonumente deutet darauf hin, dass drei Monolithen in V-Form aufgestellt waren. Dabei wurde ein Schenkel auf die Sonne der Sommersonnenwende und der andere Schenkel auf die Sonne der Wintersonnenwende gerichtet. Die Linie, die das V halbierte, wies zum Sonnenstand der Tag- und Nachtgleichen.
In der Folgezeit konzentrierte man sich darauf, die ersten erfundenen Sonnenuhren immer genauer zu machen. Das Problem bestand in folgendem Phänomen. Wenn man nur die Länge eines Schattens berücksichtigt, muss man für die verschiedenen Zeiten des Jahres verschiedene Messskalen verwenden, weil die Sonne verschieden hoch am Himmel aufsteigt, und der Schatten dementsprechend anderes fällt. Wenn der Winkel gemessen wird, verändert sich die Schattenlänge, wenn die Sonne beim herannahen des Sommers einen höheren Bogen am Himmel beschreibt.
Man löste dieses, durch die Erfindung verschiedener Skalen. Je nach Jahreszeit beziehungsweise Sonnenstand wurde der Schatten auf der für diese Jahreszeit genauesten Skala abgelesen.
Wir können davon ausgehen, dass die Geschichte der Zeitmessung, mit der Beobachtung der Natur beginnt. Die Regelmäßigkeit des Sonnenaufgangs und ihres Untergangs, war sicherlich die erste regelmäßig wiederkehrende Zeitfolge, welche die Uhrzeitmenschen wahr nahmen.Eine weitere Regelmäßigkeit ergibt sich aus den Mondständen. Zwischen den Vollmonden liegen jeweils ca. 30 Tage. Hatte man 12 “Monde” gezählt, stellte man fest, dass sich die Abfolge der Jahreszeiten wiederholte. Also unterteilte man den jährlichen Ablauf der Jahreszeiten in 12 Monde (oder Monate) zu je 30 Tagen, die zusammen ein Jahr von 360 Tagen ergaben. Man kann vermuten, dass sich hieraus auch die Einteilung eines Kreises in 360°-Einheiten ableiten lässt. Bis hierhin, lässt sich die Zeiteinteilung noch durch die Beobachtung von natürlichen Gegebenheiten erklären. Wie kam es aber zur Einteilung des Tages in 24 Stunden und zur Einteilung einer Stunde in 60 Minuten? Die Einteilung einer Stunde in 60 Minuten könnte von den Babyloniern stammen. Babylonische Baumeister, welche nach dem Sexagesimalsystem rechneten, konnten ganz gewiss einen Kreis mittels eines Stechzirkels in sechs gleiche Sektoren teilen: Nimmt man den Kreisradius ab und trägt diesem auf den Kreisumfang ab, ergeben sich sechs gleiche Sektoren. Die weitere Einteilung dieser Sektoren in jeweils “10 Minuten”, müsste zu einer späteren Zeit erfolgt sein, da diese nicht in das Sexagesimalsystem passt. Bei einer Einteilung des Tages in 24 Stunden jedoch, war die Schaffung einer künstlichen Maßeinheit notwendig. Denn es gibt keine naturgegebene Einteilung in Stunden.Jedoch: teilt man den Kreis in sechs Sektoren, ist es ein leichtes, jeden Sektor noch einmal zu halbieren. So erhält man 12 Einheiten. Die Stunde geteilt durch 12 Einheiten ähnelt dem Jahr geteilt durch 12 Monate.Vielleicht entstand so, quasi retrograd, die Einteilung des Tages in 24 Stunden, indem man von den 12 Sektoren der Stunde auf einen Tag hochrechnete.Die Zahl 12 ist als mystische Zahl allgegenwärtig. Sie erscheint oft in Religion und Legende, zum Beispiel in den 12 Taten des Herkules, den 12 großen Göttern des Olymp und den 12 Apostel.